68330

 

 

Modernistisches Kaffee Tee-Service  

Modernes-Kaffee-Tee-Service_800er-Silber_Triest-um-1960-70_1

Modernistisches Kaffee Tee-Service,
800er Silber, Mailand um 1960/70
MZ: Annicchiarico, Triest

Auf glatter Basis stehend, die Wandung der im Querschnitt quadratischen Gefäße dezent gewölbt und von schauseitig schräg verlaufender, kantiger Schulter abgeschlossen. Daraus der würfelförmige Deckel mit geraden Kanten hervortretend welcher von ebener Fläche abgeschlossen wird. Die Schnaupe der Kaffee-, Tee- und Milchkanne vorderseitig in voller Länge zum Korpus verlaufend und oberseitig in flachem, stitzenartigen Ausguß endend. Rückseitig die silhouettiert gesägten Handhaben aus massivem Mahagoni.

Teekanne:
Höhe (Deckel): 16,3 cm; 683,2 g

Kaffeekanne:
Höhe (Deckel): 22,3 cm; 602,6 g

Milchkanne:
Höhe (Deckel): cm; 301,4 g

Zuckerdose:
Breite: 9,0 cm, Tiefe: 9,0 cm, Höhe: 6,9 cm; 372,0 g

Gesamtgewicht (ohne Handhaben):
1959,2 g

In dieser Form äußerst seltenes, sowohl formell wie auch hinsichtlich der Praktikabilität ein mit großer Raffinesse konzipiertes Kaffee Tee-Service von hoher Modernität und geradezu monumentalem Anspruch. Als ein in Silber gearbeitetes Service von zusätzlicher Seltenheit, da die Verwendung von Stahl für moderne Arbeiten in dieser Zeit weitaus üblicher war.

Das hier vorliegende Service ist zweifelsohne ein Einzelstück, wie vor allem aus konstruktiven Details hervorgeht. Die sehr raffinierte, rein aus stereometrischen Elementen sich zusammenfügende Ausformung deutet zudem darauf hin, dass es sich bei dem Kaffee Tee-Service nicht allein um ein Einzelstück, sondern auch um einen Künstlerentwurf handelt. Die stilistische Schwere der Gefäßformen wird durch die langgezogenen, spitzwinkligen Handhaben gekonnt aufgehoben.

Auch hinsichtlich der Gebrauchsfähigkeit ist das hier vorliegende Service sehr ungewöhnlich: Um die Reinigung zu erleichtern, wurden die Handhaben aller Kannen abnehmbar gestaltet des weiteren sind auch die Deckel entnehmbar. Die Handhaben weisen eine durchgehende, v-förmige Längskerbung auf, die auf ein aufgelötetes Profil an den Rückseiten der Kannen von unten geschoben wird. Ein orthogonaler Querstreifen schließt die Griffe nach oben ab und arrettiert diese so. Ungewöhnlich – und ungleich aufwändiger in der Herstellung – ist auch, dass die Schnaupe nicht in einem Stück aus dem Vorderblech des Korpus gepresst, sondern separat geformt und aufgelötet wurde.

Eine weitere, technisch außergewöhnliche Lösung zeigt sich im Auslass der Flüssigkeit: Beim Ausgießen tritt diese unter den gefalzten Oberrand und gelangt so in die Schnaupe. Beim Absetzen fließt diese inseitig die Schnaupe hinab und tritt im untersten Bereich innerhalb dieser knapp über dem Boden aus zwei Löchern wieder in den Korpus aus.

Auch wurde bei der Konzipierung der Griffe der schmale Oberbereich durch versteckte Dübel verstärkt und die Stirnseiten der Dübel durch Furniere kaschiert um so den optischen Gesamteindruck nicht zu stören. Auch dies ein Detail das für eine Einzelanfertigung spricht. Auch das Punzeninventar spricht dafür, dass das Service höchstwarscheinlich nicht für den regulären Handel bestimmt sondern eine Auftragsarbeit war. Die einzelnen Korpora sind zwar alle mit dem Mailänder Beschauamtszeichen und dem Feingehalt „800“ gestempelt, die Deckel aber nicht. Eine Röntgenfluoreszenzanalyse‎ aller Einzelteile ergab aber dass das Service original zusammengehört und gleichzeitig aus dem selben Material entstanden ist. Obwohl auch die Deckel in 800er Silber gearbeitet wurden, sind diese nicht punziert. Wenn das Service für den regulären Verkauf gedacht worden wäre, wäre eine Punzierung auch der Deckel verpflichtend gewesen.

Anbetrachts der stilistischen wie auch technischen Besonderheiten des hier vorliegenden Services ein Objekt von überrangender Seltenheit.