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Bedeutendes Art Déco Teeservice auf Tablett

Art Déco Teeservice auf Tablett, 835er Silber,
Entwurf: Paula Straus für Bruckmann & Söhne,
um 1926/27

Vollflächig martellierte Wandungen der im Querschnitt kreisrunden Gefäße, die Deckelknäufe sowie bei Tee- und Milchkanne die Handhaben aus Ebenholz gearbeitet.
Außergewöhnliches Teeservice auf dazugehörigem Tablett in hervorragender Erhaltung und ohne Monogramm, mit dem Behälter für Teelöffel von großer Seltenheit (dieser findet sich bislang in der Literatur nur erwähnt aber nicht abgebildet). Die auf allen Teilen zu verzeichnende niederländische Punzierung für ausländische Silberarbeiten deutet darauf hin dass das vorliegende Service für den Export gearbeitet wurde, was den für den deutschen Raum nicht üblichen Behälter für Teelöffel erklärt. Das Service wurde auf der Ausstellung „Europäisches Kunsthandwerk“ in Leipzig 1927 präsentiert und ist in Teilen auf einer alten Fotografie abgebildet in: FrauenSilber. Paula Straus, Emmy Roth & Co. Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Ausst.Kat. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2011, Abb. S. 42.

Teekanne:
Länge: 29,1 cm, Breite: 17,7 cm, Höhe (Oberrand): 7,8 cm, Höhe (Deckelknauf): 10 cm; 650,0 g

Milchkanne:
Länge: 12,9 cm, Breite: 8,5 cm, Höhe (Oberrand): 6,8 cm, Höhe (Griff): 7,8 cm; 94,7 g

Zuckerschale:
Länge (Griff zu Griff): 17,6 cm, Breite: 12,9 cm, Höhe (Deckelknauf): 7,0 cm; 295,0 g

Löffelbecher:
Höhe: 7,7 cm, Durchmesser (Oberrand): 7,6 cm; 81,7 g

Tablett:
Länge: 42,1 cm, Breite: 32,1 cm; 845,4 g

Paula Straus (Stuttgart 1894 – Auschwitz 1943)

Bedeutende Goldschmiedin und Entwerferin von Schmuck, Korpusware und Tafelsilber in Stuttgart. Bis 1921 an der Kunstgewerbeschule Stuttgart ausgebildet und Meisterschülerin in der Metallklasse unter Paul Haustein. Später auch weiterhin Zusammenarbeit mit Paul Haustein sowie der Abteilung für Glas- und Steinschnitt an der Kunstgewerbeschule von Wilhelm von Eiff. Ab 1924/25 bis zu den beginnenden 30er Jahren als Entwerferin von Silbergerät für Bruckmann und Söhne in Heilbronn tätig. Zusammen mit Josef M. Lock ist sie 1925-30 Leiterin des Ateliers für kirchliches Gerät bei Bruckmann und Söhne. 1929 erhält Paula Straus einen Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar. Ab 1933 als Goldschmiedemeisterin bei der Württembergischen Metallwarenfabrik Geislingen (WMF) tätig. 1935 Übersiedlung nach Stuttgart, dort Gründung eines Schmuckwarengeschäftes. 1939 Schließung des Geschäfts durch die Nationalsozialisten. Als Reaktion auf die Reichspogromnacht vom 09. auf den 10. November 1938 erfolglose Versuche der Emigration und Verhandlung mit der Zilverfabriek Vorschooten in den Niederlanden. Nach Enteignung ihrer Immobilien in Stuttgart und Gundelfingen (1939/40) Tätigkeit als Küchenhilfe im jüdischen Altersheim Buttenhausen bei Münsingen. 1941 Leiterin des jüdischen Altersheimes in Haigerloch.
Am 02.August 1942 Deportation zusammen mit ihrer Mutter nach Theresienstadt, im Januar 1943 Verlegung nach Auschwitz wo sie am 10. Februar ermordet wird.

Die Arbeiten von Paula Straus waren geprägt von großer moderner Fortschrittlichkeit und einer geometrischen Klarheit ohne dabei schwer zu wirken. Die Strenge ihrer Entwürfe erfährt oftmals eine gewisse Leichtigkeit durch eine äußerst sparsam angewandte Ornamentik.

Das Service ist ferner abgebildet in Städtische Museen Heilbronn (Hrsg.): Silber aus Heilbronn für die Welt (P. Bruckmann & Söhne 1805- 1973) S. 74.
Zur Vita von Paula Straus vgl. auch: FrauenSilber. Paula Straus, Emmy Roth & Co. Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Ausst.kat. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2011, S. 25 ff.