Artikelnummer: 60223
Seltene Art Déco Bisquit Dose,
Sterling Silber, Birmingham 1938,
Keith Murray für Mappin & Webb
Auf vier gerippten Konsolfüßen stehender, zylindrischer Korpus welcher von zwei Linienbändern untergliedert wird. Der gestufte Deckel abnehmbar und von mit horizontalen Rippen geziertem Deckelknauf aus Elfenbein abgeschlossen.
Sehr elegante und formschöne Bisquitdose des Art Déco in exzellenter, unbeschädigter Erhaltung.
Höhe (Deckelknauf): 16,7 cm, Durchmesser: ca. 12,2 cm; 469,7 g
Der britische Architekt und Industriedesigner Keith Murray (1892–1981)
Keith Day Pearce Murray erlangte in Großbritannien als Architekt und Designer für Industriekunst große Bekanntheit. Neben seinen architektonischen Entwürfen sind seine Entwürfe in Silber sowie in Keramik und Glas für das britische Kunstgewerbe des Art Déco und der frühen Moderne richtungsweisend geworden. Keith Murray wurde in Mount Eden, im neuseeländischen Auckland, geboren und zoig als Heranwachsender 1906 mit seiner Familie nach Großbritannien wo er in London sein Studium der Architektur begann. Sein beruflicher Werdegang wurde durch die Ereignisse des Ersten Weltkriegs unterbrochen, während dessen er sich als Offizier im Royal Flying Corps und in der Royal Air Force für seine Tapferkeit mit dem Military Cross ausgezeichnet wurde. Nach Beendigung des Krieges schloss er seine Architekturausbildung ab und wurde 1921 Mitglied des Royal Institute of British Architects. Der wirtschaftliche Abschwung der späten 1920er und der beginnenden 1930er Jahre verwehrten ihm große Projekte in seiner Tätigkeit als Architekt, was Murray zwang sich mit Entwürfen im Gebiet des Industriedesigns zu befassen wo er in den Folgejahren reüssieren sollte.
Unter dem Eindruck der Weltausstellung in Paris 1925 und der Ausstellung schwedischer Industriekunst 1931 bemühte sich Murray um die Zusammenarbeit mit führenden Herstellern industriell gefertigter Gebrauchsgegenstände. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Akzeptanz der Käufer begann er 1932 für Stevens & Williams Entwürfe zu erstellen, deren Glaswaren als „Keith Murray Range“ Bekanntheit erlangte. In ihnen zeigten sich jene klaren architektonischen Linien und raffinierten geometrischen Formgebungen, die sein späteres Markenzeichen werden sollten. Seine über 1.200 Entwürfe die er zwischen 1932 und 1939 konzipierte, wurden aber nur in kleinen Auflagen produziert. 1932 wurde Keith Murray von Josiah Wedgwood in Etruria angeworben um für die Keramikfabrik als Entwerfer tätig zu sein. Keith Murray entwarf dort einige der bekanntesten Art-Déco-Formen des Unternehmens unter anderem die berühmten gerippten „Annular”-Produktlinie. Seine hohe Wertschätzung als Designer spiegelte sich in dem Privileg dass jedes ausgeführte Werkstück seine Signatur über dem Firmenzeichen von Wedgwood angebracht wurde. Dieses Privileg unterstrich seine gesellschaftliche Wertschätzung als Designer von nationalem Rang. Eine zusätzliche Nobilitierung erfuhr Keith Murray 1934 indem die Silberwarenfabrik Mappin & Webb ihn für Entwürfe moderner Silberwaren verpflichtete. Die hier vorliegende Bisquitdose zeigt eindrucksvoll sein künstlerisches Vermögen als Designer Objekte von großer Klarheit und Modernität zu konzipieren, die auch heute noch von überraschender Modernität sind. Aus Kostengründen wurden indes viele seiner Entwürfe in versilbertem Metall hergestellt.
Seine charakteristische Formensprache wurde für das Kunstgewerbe in Großbritannien richtungsweisend. Für das Œuvre Keith Murrays Werk waren eine klare, sparsame Linienornamentik in Form von plastischen Bändern und gestuften Profilierungen typisch welche die ansonsten zierbefreite Oberfläche dekorativ untergliederte. Nach dem Zweiten Weltkrieg schien Keith Murray ausschließlich als Architekt tätig gewesen zu sein, wo er auch hier ein bedeutendes Vermächtnis im Bereich des Industriedesigns hinterließ.
Die Silberschmiede Mappin & Webb
1775 von Jonathan Mappin als Werkstatt für Silberbesteck in Sheffield eröffnet, etablierte sich die Silberschmiede und machte sich mit hochwertigem Besteck recht bald einen Namen. 1780 erhielt Jonathan Mappin das Bürgerrecht durch die „Cutlers Company“. Das Geschäft wurde von Jonathan Mappins Sohn Joseph und später durch dessen Enkel, der ebenfalls Joseph hieß, weitergeführt.
Die größte Expansion erfolgte aber Mitte des 19. Jahrhunderts, als Jonathans vier Urenkel das Unternehmen als Mappin Brothers Ltd. umfirmierten. Das Unternehmen expandierte international, erhielt Privilegien durch den englischen Hof und es folgten bald auch Aufträge von unterschiedlichen Königshäusern in Europa für die Herstellung von Tafelsilber und über Europa hinaus. Trotz des großen Erfolgs der Silberschmiede zogen sich drei der geschäftsführenden Brüder zurück und gründeten eigene Unternehmen. Das Unternehmen wurde unter John Mappin weitergeführt. Wenige Jahre später schloss sich John Mappin mit seinem Schwager George Webb zu der heute noch bekannten Silberschmiede Mappin & Webb zusammen.







