Silber Vorlegelöffel Paula Straus für Bruckmann & Söhne

Paula Straus Silber Teeservice Silberbesteck Tafelsilber P. Bruckmann Art Deco

Artikelnummer: 58036

Art Déco Vorlegelöffel, 800er Silber,
Paula Straus für Bruckmann & Söhne,
Heilbronn um 1927/30

Die kreisförmige, stark geflachte Laffe sich an den mittig gegrateten nd martellierten Griff anfügend. Der Griff rückseitig gehöhlt.
Seltener Vorlegelöffel von Paula Straus in bester Erhaltung und ohne Monogramm.
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Länge: 21,5 cm

Paula Straus (Stuttgart 1894 – Auschwitz 1943)
Bedeutende avantgardistische Goldschmiedin und Entwerferin von Schmuck, Korpusware und Tafelsilber in Stuttgart.
Bis 1921 an der Kunstgewerbeschule Stuttgart ausgebildet, war Paula Straus Meisterschülerin in der Metallklasse unter Paul Haustein der ebenfalls für Bruckmann & Söhne und die Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (WMF) Silberwaren entwarf. Die Zusammenarbeit mit Paul Haustein sowie mit der Abteilung für Glas- und Steinschnitt an der Kunstgewerbeschule unter Wilhelm von Eiff blieb auch nach ihrem Abschluss erhalten. Ab 1924/25 bis zu den beginnenden 1930er Jahren war Paula Straus als Entwerferin von Silbergerät für Bruckmann & Söhne in Heilbronn tätig, wo sie eine beeindruckende Vielzahl von Silberwaren entwarf, insbesondere Silber Teeservice, Tafelsilber und Silberbesteck sowie sakrales Silber für die christliche wie jüdische Liturgie. Zusammen mit Josef M. Lock hatte sie 1925-30 die Leitung des Ateliers für kirchliches Silber bei Bruckmann & Söhne inne. 1929 erhielt Paula Straus einen Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar. Ab 1933 war sie als Goldschmiedemeisterin bei WMF tätig. Zwei Jahre später entschied sich Paula Straus zur Selbstständigkeit und zog 1935 nach Stuttgart, wo sie ein Schmuckwarengeschäft gründete das aber 1939 durch die Nationalsozialisten wieder geschlossen wurde. Als Reaktion auf die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 unternahm Paula Straus zahlreiche Versuche der Emigration und verhandelte mit der Zilverfabriek Voorschoten in den Niederlanden, wo ihre Künstlerkollegin Christa Ehrlich eine prominente Stellung als Entwerferin innehatte und für die auch Emmy Roth zahlreiche Entwürfe für Arbeiten in Silber konzipierte. Aus dieser Zeit haben sich einzelne Fotografien der Entwürfe von Paula Straus für Tafelsilber, Silberbesteck sowie Teeservice in einer Bewerbungsmappe zusammengefasst erhalten, deren Urheberschaft heute unbekannt geblieben wäre. Nach Enteignung ihrer Immobilien in Stuttgart und Gundelfingen (1939/40) musste sie ihre Tätigkeit als Gold- und Silberschmiedin endgültig aufgeben und stattdessen eine Stellung als Küchenhilfe im jüdischen Altersheim Buttenhausen bei Münsingen antreten. 1941 wurde sie Leiterin des jüdischen Altersheims in Haigerloch das sie zusammen mit einer Küchenhilfe unter widrigsten Umständen führen musste.
Am 2. August 1942 wurde Paula Straus zusammen mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert und im Januar 1943 nach Auschwitz verlegt, wo sie am 10. Februar ermordet wurde.

Die Entwürfe von Paula Straus für Silberwaren und Tafelsilber waren von einer derartig modernen Fortschrittlichkeit, dass sie es schaffte mit ihrem Werk einerseits formal das Schaffen der 1950er Jahre vorweg zu nehmen, andererseits aber dennoch auf die Silberobjekte des 18. Jahrhunderts zu rekurrieren. Eine sehr bedacht verwandte Ornamentik lockert die Strenge ihre Entwürfe oft auf und nimmt ihren monumentalen Charakter. Die Virtuosität im künstlerischen Schaffen von Paula Straus lässt sich auch eindrucksvoll in dem hier Silbervorliegenden Löffel aufzeigen:
Silber war zu dieser wirtschaftlich turbulenten Zeit der Weltwirtschaftskrise ein wichtiger Rohstoff und daher äußerst schwer in ausreichender Menge auf dem Weltmarkt zu bekommen, weswegen es galt so materialsparend wie möglich mit dem Edelmetall zu arbeiten. Paula Straus schafft es mit diesem Löffel meisterhaft mit gestalterischen Mitteln durch den voluminös wirkenden und seitlich gegrateten Griff eine starke Plastizität zu evozieren, die erst bei rückseitiger Betrachtung sich als gehöhltes Griffstück erweist.
Unter günstigeren Voraussetzungen hätte das künstlerische Potential von Paula Straus sie zu einer international geachteten Größe werden lassen, die einen Vergleich mit Emile Lettré, Jean Emile Puiforcat oder Georg Jensen in keinster Weise hätte scheuen müssen.

Der Löffel ist abgebildet in Städtische Museen Heilbronn (Hrsg.): Silber aus Heilbronn für die Welt (P. Bruckmann & Söhne 1805- 1973) S. 150
Sowie auch: FrauenSilber. Paula Straus, Emmy Roth & Co. Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Ausst.kat. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2011, Abb. S. 24