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Seltene Art Déco Biskuitdose

Seltene Art Déco Biskuitdose,
835er Silber, Voorschoten  1928,
HZ: Zilverfabriek Voorschoten

Zylindrischer, glatter Korpus auf flacher Basis, die Kanten ober- und unterseitig gestuft. Der flache Deckel mit langgezogenem, vertikal reliefiertem Deckelknauf aus Tropenholz (vermutlich Palisander) bekrönt.
Formschöne und trotz des Alters außerordentlich modern wirkende Arbeit von einer der bedeutendsten Silberschmiedekünstlerinnen neben Emmy Roth und Paula Straus. Die vorliegende Dose ist Teil einer Folge von verschiedenen Gefäßformen die die Künstlerin für die Zilverfabriek Voorschoten entworfen hat, in welchen sie die Grundform – zylindrisch geformter Korpus mit getreppt profilierter Kante – durch die Hinzufügung additiver Elemente wie Schnaupe, Griff oder Deckel variiert und so eine industriell produzierbare Gefäßform von bleibender Modernität geschaffen hat. Vgl. hierzu ihre zeitgenössischen Teeservices abgebildet in: FrauenSilber. Paula Straus, Emmy Roth & Co. Silberschmiedinnen der Bauhauszeit. Ausst.Kat. Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2011, Abb. S. 120f.

Christa Ehrlich studierte ab 1920/21 an der Wiener Kunstgewerbeschule anfangs unter Michael Powolny wo sie sich zunächst mit der Gestaltung von Keramik beschäftigte und wechselte dann später in die Fachklasse für Architektur wo sie bis 1925 unter Josef Hoffmann studierte. Im Anschluss wurde sie Assistentin Hoffmanns in dessen Architekturbüro und gestaltete als ersten wichtigen Auftrag die Vitrinen in dem von Hoffmann entworfenen Österreichischen Pavillon auf der Weltausstellung in Paris 1925 sowie 1927 die wiederum von Hoffman zu gestaltende österreichische Abteilung auf der Ausstellung „Europäisches Kunstgewerbe“ die im Grassimuseum in Leipzig stattfand. Dort wurde sie von Carel S. Begeer, dem Leiter der Niederländischen Abteilung auf jener Ausstellung und Direktor der „Koninklijke Nederlandsche Edelmetaalbedrijven“ (KNEB)  [= Königlich Niederländische Edelmetallgesellschaften] als Künstlerin entdeckt und für die Zilverfabriek Voorschoten, eine Tochtergesellschaft der KNEB, als Entwerferin angeworben. 1927 trat sie im Alter von 24 Jahren ihre Stellung an und entwarf im selben Jahr jene ikonische Gefäßform die zunächst als dreiteiliges Teeservice produziert wurde und um Kaffeekanne, Teedose und Biskuitdose (mit und ohne Unterteller) erweitert wurde. Zu dieser Serie gehört auch die hier vorgestellte Biskuitdose, die somit zu den ersten Stücken diesen Dekors gehört die von der Zilverfabriek Voorschoten hergestellt wurde.

Höhe (Knauf): 12 cm, Höhe (Deckel): 9,3 cm, Durchmesser: ca. 15,7 cm; 456 g