Bedeutende Kin-Gin-Dō Mokume-gane Vase, Akita 2022, Bikō Hayashi

Artikelnummer: 60235

Bedeutende Kin-Gin-Dō Mokume-gane Vase ひょうたん (Hyōtan),
Feingold, Feinsilber, Kupfer, Shakudo, Akita 2022,
MZ: Bikō Hayashi

Die im Querschnitt quadratische Vase über der Basis breit gewölbt, der Halsbereich in Analogie ebenfalls etwas gewölbt und oberseitig von eckiger Randprofilierung abgeschlossen. Die Vorder- und Rückseite vollflächig in Kin-Gin-Dō Mokume-gane gearbeitet, die Seiten aus Shakudo (eine traditionelle Legierung aus Kupfer und Gold) in deren Mitte ein Streifen des Kin-Gin-Dō Mokume-gane eingesetzt wurde.
Zu dieser Vase gehört ein vom Künstler signierter und bezeichneter Tomobako (traditionelle japanische Holzkiste zur Aufbewahrung bzw. Transport).

Breite: 9,0 cm, Tiefe: 9,0 cm, Höhe: 18 cm

Der Hyōtan (瓢箪) auch als Flaschenkürbis bekannt, gehört zu den ältesten Glücks- und Segenssymbolen Japans. Aufgrund seiner zahlreichen Kerne steht er für Fruchtbarkeit, Wohlstand und die Fülle des Lebens. Zugleich symbolisiert seine bauchige Form das Bewahren und Schützen wertvoller Dinge und gilt als Gefäß für Glück und gute Energie. In der japanischen Kunst erscheint der Hyōtan daher häufig als Motiv für Langlebigkeit, Glück sowie spirituellen Schutz und verbindet auf elegante Weise symbolische Bedeutung mit einer harmonischen, organischen Form.

Kin-Gin-Dō Mokume-gane – Die Wiederentdeckung einer verlorenen Metallkunst

Das Kin-Gin-Dō Mokume-gane (金銀銅杢目金, wörtlich „Gold-Silber-Kupfer-Holzmaserungsmetall“) gehört zu den anspruchsvollsten Techniken der japanischen Metallkunst. Es entstand zu Beginn der Edo-Zeit vor rund 400 Jahren und wurde ursprünglich vor allem für hochwertige Schwertbeschläge verwendet. Im Laufe der Zeit geriet die Technik jedoch nahezu vollständig in Vergessenheit.
Bei ihrer Herstellung werden Schichten aus Gold, Silber, Kupfer sowie traditionellen japanischen Legierungen wie Shakudo unter Hitze und Druck miteinander verschweißt. Durch wiederholtes Schmieden, Falten, Verformen und gezieltes Abtragen der Oberfläche entstehen einzigartige Maserungen, die an die natürliche Struktur von Holz erinnern. Jedes Werk besitzt dadurch ein unverwechselbares Muster.

Das Wissen um die Herstellung des Kin-Gin-Dō Mokume-gane wurde von den alten Meistern ausschließlich mündlich weitergegeben; schriftliche Aufzeichnungen existierten nicht. Bikō Hayashi widmete sich mehr als vier Jahrzehnte der Erforschung dieser verlorenen Technik. Als erstem gelang es ihm, sowohl das Herstellungsverfahren als auch die Materialzusammensetzungen der verwendeten Metalle zu rekonstruieren.
Hayashi entwickelte das historische Verfahren darüber hinaus entscheidend weiter. Er löste es aus seinem ursprünglichen Anwendungsbereich der Schwertmontierung und übertrug es auf zeitgenössische Kunstobjekte, Gefäße und Skulpturen. Für seine Verdienste um die Bewahrung und Weiterentwicklung des Kin-Gin-Dō Mokume-gane wurde er als Bewahrer eines immateriellen Kulturguts der Präfektur Akita anerkannt. Nach heutigem Kenntnisstand gilt Bikō Hayashi als der einzige Künstler, der diese spezielle Form des Kin-Gin-Dō Mokume-gane vollständig beherrscht.

Bikō Hayashi – Meister zeitgenössischer japanischer Metallkunst

Der 1937 geborene japanische Metallkünstler Bikō Hayashi zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen japanischen Metallkunst. Seine Werke verbinden die jahrhundertealte Tradition des japanischen Kunsthandwerks (kōgei) mit einer modernen, skulpturalen Formensprache. Besonders bekannt wurde Hayashi durch seine außergewöhnliche Beherrschung der Tankin-Technik – der kunstvollen Treib- und Schmiedearbeit von Metallblechen.
Bereits im Alter von zehn Jahren begann Hayashi seine Ausbildung im Atelier seines Vaters. Diese frühe handwerkliche Prägung bildet bis heute das Fundament seines Schaffens. Anders als viele westliche Bildhauer versteht Bikō Hayashi Metall nicht als starres Material, sondern als lebendigen Werkstoff, dessen Form durch tausende präzise Hammerschläge allmählich entsteht. Jede Arbeit entwickelt sich in einem langsamen, beinahe meditativen Prozess, bei dem handwerkliche Perfektion und künstlerische Intuition eine untrennbare Einheit bilden.
Im Laufe seiner langen Karriere wurde Bikō Hayashi Mitglied zahlreicher bedeutender japanischer Künstlervereinigungen, darunter der Japan Kōgei Association, der wichtigsten Institution zur Förderung traditioneller Kunsthandwerke Japans. Seine Werke wurden mehrfach auf den renommierten Ausstellungen der Vereinigung ausgezeichnet – ein Zeichen höchster Anerkennung innerhalb der japanischen Kulturlandschaft. Darüber hinaus engagierte er sich über Jahrzehnte als Juror, Ausstellungsorganisator und Förderer des Kunsthandwerks in seiner Heimatpräfektur Akita.

Ein besonderes Merkmal seines Œuvres ist die Verbindung traditioneller Metallbearbeitung mit zeitgenössischer Gestaltung. Während Hayashi zunächst vor allem durch meisterhaft getriebene Edelstahlarbeiten Bekanntheit erlangte – einem Material, das sich nur mit außerordentlichem handwerklichem Können treiben lässt –, widmete er sich später der Wiederbelebung einer verlorenen historischen Metalltechnik: dem Kin-Gin-Dō Mokume-gane.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch organische Linien, fein austarierte Proportionen und eine außergewöhnliche Leichtigkeit aus. Pflanzen, Knospen, Blüten und natürliche Wachstumsprozesse dienen ihm häufig als Inspirationsquelle, ohne jemals naturalistisch wiedergegeben zu werden. Vielmehr abstrahiert Hayashi die Natur zu poetischen Formen, die Bewegung, Wachstum und Vergänglichkeit zugleich ausdrücken. Die Oberfläche bleibt dabei stets von der Handschrift des Künstlers geprägt, jeder Hammerschlag wird Teil der endgültigen Komposition.

Für seine künstlerischen Leistungen erhielt Bikō Hayashi zahlreiche Auszeichnungen. Dazu zählen unter anderem der Akita Cultural Achievement Award, der Japan Kōgei Association Award, der Asahi Shimbun Prize sowie Ehrungen des japanischen Bildungsministeriums für seine Verdienste um die regionale Kulturförderung. Seine Arbeiten befinden sich in bedeutenden japanischen Sammlungen.
Hayashis Werke stehen beispielhaft für jene Haltung, die das japanische Kunsthandwerk bis heute prägt: höchste technische Meisterschaft, tiefer Respekt vor dem Material und eine Gestaltung, die traditionelle Techniken nicht bewahrt, um sie zu konservieren, sondern um sie in die Gegenwart weiterzuentwickeln. Seine Silberarbeiten sind daher nicht nur kunsthandwerkliche Meisterwerke, sondern zugleich zeitlose Skulpturen, die den Dialog zwischen Natur, Form und Material auf eindrucksvolle Weise sichtbar machen.

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