Kin-Gin-Dō Mokume-gane Deckeldose, Akita 2011, Bikō Hayashi

Artikelnummer: 60236

Bedeutende Kin-Gin-Dō Mokume-gane Deckeldose „Meer“,
Feingold, Feinsilber, Kupfer, Shakudo, Akita 2011,
MZ: Bikō Hayashi

Quaderförmige Deckeldose, die Oberseite wellenförmig getrieben. Die Unterkante zur Basis hin dezent geschrägt. Die gewellte Oberseite in Kin-Gin-Dō Mokume-gane gearbeitet. Die Seiten sich aus Streifen in Shakudō (Kupfer-Gold-Legierung) und Kin-Gin-Dō Mokume-gane zusammensetzend.
Im Originalen vom Künstler signierten und bezeichneten Tomobako (eine traditionelle japanische Holzkiste zur Aufbewahrung bzw. Transport).

Länge: 21 cm, Breite: 10,2 cm, Höhe: 9,5 cm

Im japanischen Volksglauben gilt das Meer als Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Götter. Das sich auf den Wellen brechende Licht steht sinnbildlich für Vergänglichkeit, Reinheit und die Gegenwart des Göttlichen. In der Kunst verweist dieses flüchtige Schimmern auf die enge Verbindung von Natur, Spiritualität und menschlicher Wahrnehmung.

Kin-Gin-Dō Mokume-gane – Die Wiederentdeckung einer verlorenen Metallkunst

Das Kin-Gin-Dō Mokume-gane (金銀銅杢目金, wörtlich „Gold-Silber-Kupfer-Holzmaserungsmetall“) gehört zu den anspruchsvollsten Techniken der japanischen Metallkunst. Diese war zu Beginn der Edo-Zeit vor rund 400 Jahren in Verwendung. Dieser Schmiedetechnik bediente man sich um vor allem hochwertige Beschläge an Schwertern und Rüstungen der Samurai zu fertigen. Mit dem Aussterben des Samurai-Stands geriet die Technik jedoch nahezu vollständig in Vergessenheit.
Bei dieser werden Schichten aus Gold, Silber, Kupfer sowie traditionellen japanischen Legierungen wie Shakudō unter Hitze und Druck miteinander verschweißt. Durch wiederholtes Schmieden, Falten und Verformen sowie gezieltes Abtragen der Oberfläche entstehen einzigartige Maserungen. Diese erinnern an die natürliche Struktur von Holz. Jedes Werk besitzt dadurch ein unverwechselbares Muster.

Das Wissen um die Herstellung des Kin-Gin-Dō Mokume-gane wurde von den alten Meistern ausschließlich mündlich weitergegeben; schriftliche Aufzeichnungen existierten nicht. Bikō Hayashi widmete sich mehr als vier Jahrzehnte der Erforschung dieser verlorenen Technik. Als erstem gelang es ihm, sowohl das Herstellungsverfahren als auch die Materialzusammensetzungen der verwendeten Metalle zu rekonstruieren.
Hayashi entwickelte das historische Verfahren darüber hinaus entscheidend weiter. Er löste es aus seinem ursprünglichen Anwendungsbereich der Schwertmontierung und übertrug es auf zeitgenössische Kunstobjekte, Gefäße und Skulpturen. Für seine Verdienste um die Bewahrung und Weiterentwicklung des Kin-Gin-Dō Mokume-gane wurde er als Bewahrer eines immateriellen Kulturguts der Präfektur Akita anerkannt. Bikō Hayashi gilt als der einzige Künstler, der diese spezielle Form des Kin-Gin-Dō Mokume-gane beherrscht.

Bikō Hayashi – Meister zeitgenössischer japanischer Metallkunst

Der 1937 geborene japanische Metallkünstler Bikō Hayashi zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen japanischen Metallkunst. Seine Werke verbinden die jahrhundertealte Tradition des japanischen Kunsthandwerks (kōgei) mit einer modernen, skulpturalen Formensprache. Besonders bekannt wurde Hayashi durch seine außergewöhnliche Beherrschung der Tankin-Technik – der kunstvollen Treib- und Schmiedearbeit von Metallblechen.
Bereits im Alter von zehn Jahren begann Hayashi seine Ausbildung im Atelier seines Vaters. Diese frühe handwerkliche Prägung bildet bis heute das Fundament seines Schaffens. Anders als viele westliche Bildhauer versteht Bikō Hayashi Metall nicht als starres Material. Vielmehr sieht er dieses als lebendigen Werkstoff, aus dem sich durch tausende präzise Hammerschläge allmählich die Form herausbildet. Jede Arbeit entwickelt sich in einem langsamen, beinahe meditativen Prozess. In diesem vereinen sich handwerkliche Perfektion und künstlerische Intuition zu einer untrennbaren Einheit.
Im Laufe seiner langen Karriere wurde Bikō Hayashi Mitglied zahlreicher bedeutender japanischer Künstlervereinigungen. Unter diesen ist insbesondere die Japan Kōgei Association zu nennen. Dieser Verband zählt in Japan zu den wichtigsten Institutionen zur Förderung des traditionellen Kunsthandwerks. Seine Werke wurden mehrfach auf den Ausstellungen der Vereinigung ausgezeichnet – ein Zeichen höchster Anerkennung innerhalb der japanischen Kulturlandschaft. Darüber hinaus engagierte er sich über Jahrzehnte als Juror, Ausstellungsorganisator und Förderer des Kunsthandwerks in seiner Heimatpräfektur Akita.

Ein besonderes Merkmal seines Œuvres ist die Verbindung traditioneller Metallbearbeitung mit zeitgenössischer Gestaltung. Bekannt wurde Hayashi anfänglich insbesondere durch meisterhaft getriebene Edelstahlarbeiten – einem Material, das sich nur mit höchstem handwerklichen Können treiben lässt. Seine spätere Berühmtheit erlangte er durch die Wiederbelebung einer verlorenen historischen Metalltechnik: dem Kin-Gin-Dō Mokume-gane.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch organische Linien, fein austarierte Proportionen und eine außergewöhnliche Leichtigkeit aus. Pflanzen, Knospen, Blüten und natürliche Wachstumsprozesse dienen ihm häufig als Inspirationsquelle, ohne jemals naturalistisch wiedergegeben zu werden. Vielmehr abstrahiert Hayashi die Natur zu poetischen Formen, die Bewegung, Wachstum und Vergänglichkeit zugleich ausdrücken. Die Oberfläche bleibt dabei stets von der Handschrift des Künstlers geprägt, jeder Hammerschlag wird Teil der endgültigen Komposition.

Für seine künstlerischen Leistungen erhielt Bikō Hayashi zahlreiche Auszeichnungen. Dazu zählen unter anderem der Akita Cultural Achievement Award, der Japan Kōgei Association Award, der Asahi Shimbun Prize sowie Ehrungen des japanischen Bildungsministeriums für seine Verdienste um die regionale Kulturförderung. Seine Arbeiten befinden sich in bedeutenden japanischen Sammlungen.
Hayashis Werke stehen beispielhaft für jene Haltung, die das japanische Kunsthandwerk bis heute prägt: höchste technische Meisterschaft, tiefer Respekt vor dem Material und eine Gestaltung, die traditionelle Techniken nicht bewahrt, um sie zu konservieren, sondern um sie in die Gegenwart weiterzuentwickeln. Seine Silberarbeiten sind daher nicht nur kunsthandwerkliche Meisterwerke, sondern zugleich zeitlose Skulpturen, die den Dialog zwischen Natur, Form und Material auf eindrucksvolle Weise sichtbar machen.

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