Artikelnummer: 60236
Mokume-gane Deckeldose,
Silber, Kupfer, Shakudo, Shibuichi, Kuromido,
Okayama 2025, MZ: Ryuhei Sako
Bewegte, facettierte Wandung. Einzelne Facetten sich in den Boden- und Deckelbereich aufteilend.
Das Objekt befindet sich in einem vom Künstler signierten, traditionellen Tomobako (eine hölzerne Aufbewahrungskiste).
Hochelegante Deckeldose für die Aufbewahrung von Weihrauch von einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Japans für Objekte in Mokume-gane.
Bereits die Herstellung des Ausgangsmaterials ist von außergewöhnlicher handwerklicher Komplexität. Darüber hinaus zeichnet sich das Objekt durch eine technisch anspruchsvolle Ausführung aus. Deckel und Boden sind aus einem einzigen Werkstück geschmiedet. Diese Konstruktionsweise stellt besonders hohe Anforderungen an die Beherrschung des Materials. Zugleich setzt sie einen präzise kontrollierten Schmiedeprozess sowie ein außergewöhnliches Maß an handwerklichem Können voraus. Dennoch sind die Facetten von unglaublicher Exaktheit – selbst jene die sich über Boden und Deckel ziehen.
Höhe: 8,5 cm, maximaler Durchmesser: 6,9 cm
Für die Herstellung dieser Deckeldose verwendete Ryuhei Sako Feinsilber (999er Silber), reines Kupfer sowie die traditionellen japanischen Metalllegierungen Shakudō, Kuromidō und Shibuichi. Die Kombination dieser Materialien ist wesentlich für die technische Ausführung und die differenzierte Farbwirkung des Objekts. Shakudō ist eine Kupfer-Gold-Legierung mit einem Goldanteil von etwa 1 bis 5 %. Kuromidō bezeichnet ein traditionell verarbeitetes, nicht vollständig raffiniertes Kupfer. Dieses kann je nach Herkunft geringe Mengen weiterer Elemente wie Antimon oder Eisen enthalten. Shibuichi ist eine Legierung aus Silber und Kupfer.
Die Oberfläche wurde anschließend mit der traditionellen japanischen Patinierungstechnik Niiro veredelt. Sie hebt die unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Legierungen hervor und verstärkt deren farbliche Kontraste. Kupfer nimmt einen warmen rotbraunen Ton an, Kuromidō erscheint tiefschwarz. Shakudō entwickelt einen bläulich-schwarzen Farbton und Shibuichi ein mattes Grau, dessen Nuance vom jeweiligen Silbergehalt abhängt. Gold und Silber behalten dagegen ihre natürliche Farbigkeit.
Die historische Entwicklung von Mokume-gane
Mokume-gane ist eine traditionelle japanische Schmiedetechnik, die zu Beginn der Edo-Zeit im frühen 17. Jahrhundert entstand. Durch das Feuerverschweißen verschiedenfarbiger Metalllegierungen entstehen charakteristische, an die Maserung von Holz erinnernde Strukturen. Ursprünglich fand die aufwendige Technik vor allem bei der Herstellung kunstvoller Schwertbeschläge, insbesondere der Stichblätter (Tsuba), Verwendung. Mit dem Ende der Samurai-Kultur und der Entwaffnung der Bevölkerung verlor Mokume-gane damit seine ursprüngliche Funktion. In der Folge geriet diese Technik weitgehend in Vergessenheit.
Die Herstellung von Mokume-gane
Mokume-gane bedeutet wörtlich „Holzaugen-Metall“ und verweist auf die an Holzmaserung erinnernden Strukturen der fertigen Oberfläche. Neben Itame-gane und Masame-gane zählt es zu den traditionellen japanischen Schichtverbundtechniken und ist in seiner Grundidee mit Damaszenerstahl vergleichbar. Dabei werden zahlreiche dünne Lagen unterschiedlicher Metalle zu einem Block feuerverschweißt. Charakteristisch für Itame-gane sind seine ringförmigen Muster. Masame-gane zeigt lineare Strukturen. Bei Mokume-gane werden die charakteristischen organischen Maserungen durch das gezielte Gravieren und Anbohren des Schichtblocks erzielt. Beim anschließenden Ausschmieden zu einer dünnen Platte werden diese Vertiefungen gedehnt und bilden das unverwechselbare Dekor.
Die Herstellung zählt zu den anspruchsvollsten Techniken der Metallkunst. Für eine dauerhafte Verbindung müssen die verschiedenen Legierungen bis knapp unter ihren jeweiligen Schmelzpunkt erhitzt werden. Unterschiedliche Schmelztemperaturen und das anschließende Ausschmieden erfordern höchste Präzision, langjährige Erfahrung und ein ausgeprägtes Materialgefühl. Aus den so entstandenen Platten werden schließlich die einzelnen Objekte gefertigt.
Ryuhei Sako
Ryuhei Sako wurde 1976 in Okayama (Präfektur Okayama, Südjapan) geboren. Während seines Studiums weckte eine Ausstellung zum Werk von Norio Tamagawa sein Interesse an der Mokume-gane-Technik sowie eine Ausstellung die Tsubas zum Thema hatte. Die Spezialisierung auf Metallgestaltung begann er im dritten Studienjahr. 1999 schloss er sein Bachelorstudium an der Hiroshima City University, Faculty of Art, ab und setzte sein Studium an der Graduate School of Art derselben Universität fort, das er 2002 mit dem Master beendete. 2003 gründete er seine Werkstatt in Tamano City, 2005 erfolgte die Verlegung nach Okayama City, wo er bis heute arbeitet. Seit 2004 ist er Mitglied der Japan Art Crafts Association.
Die Entscheidung zur Spezialisierung auf Mokume-gane entstand bereits während des Studiums. Da es zu dieser Zeit kaum zugängliche Lehrmeister gab, eignete sich Sako die Technik zunächst anhand historischer Quellen und Fachliteratur an. Die eigentliche künstlerische und technische Entwicklung vollzog sich in den folgenden Jahren in eigener Werkstatt. Diese erstreckte sich über mehr als ein Jahrzehnt intensiver experimenteller Arbeit.
Heute zählt Sako zu den international anerkannten Spezialisten des Mokume-gane. Seine Arbeiten verbinden traditionelle japanische Metallkunst mit zeitgenössischer Formensprache, die häufig von klassischen Gefäßformen ausgeht und diese neu interpretiert. Durch kontinuierliche materialtechnische Forschung hat er insbesondere die farblichen Möglichkeiten von Legierungen wie Shakudō und Shibuichi weiter ausgelotet und deren Nuancen systematisch erweitert.
Angesichts seiner überragenden künstlerischen Leistung überrascht es wenig, dass sein Werk von etlichen Preisen ausgezeichnet wurde. Seine Objekte befinden sich unter anderem im Victoria & Albert Museum, London, dem Ashmolean Museum of Art and Archaeology, Oxford sowie dem Metropolitan Museum of Art, New York.








