Silber Teeservice, Mailand um 1960/70, Giuseppe Silva

Artikelnummer: 68330

Modernistisches Kaffee Tee-Service,
800er Silber, Mailand um 1960/70
MZ: Giuseppe Silva für Annicchiarico

Auf glatter Basis stehend, die Wandung der im Querschnitt quadratischen Gefäße dezent gewölbt und von schauseitig schräg verlaufender, kantiger Schulter abgeschlossen. Daraus der würfelförmige Deckel mit geraden Kanten hervortretend. Die Schnaupe der Kaffee-, Tee- und Milchkanne in voller Länge zum Korpus verlaufend und oberseitig in flachem, stitzenartigen Ausguß endend. Die silhouettiert gesägten Handhaben aus massivem Mahagoni.

In dieser Form seltenes, sowohl formell wie auch hinsichtlich der Praktikabilität ein mit großer Raffinesse konzipiertes Kaffee Tee-Service von hoher Modernität und großer Eleganz. Als ein in Silber gearbeitetes Service von zusätzlicher Seltenheit, da die Verwendung von Stahl für moderne Arbeiten in dieser Zeit weitaus üblicher war.

Teekanne:
Höhe (Deckel): 16,3 cm; 683,2 g

Kaffeekanne:
Höhe (Deckel): 22,3 cm; 602,6 g

Milchkanne:
Höhe (Deckel): cm; 301,4 g

Zuckerdose:
Breite: 9,0 cm, Tiefe: 9,0 cm, Höhe: 6,9 cm; 372,0 g

Gesamtgewicht (ohne Handhaben):
1959,2 g

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Das hier vorliegende Service ist zweifelsohne eine Einzelanfertigung, wie vor allem aus konstruktiven Details hervorgeht. Die sehr raffinierte, rein aus stereometrischen Elementen sich zusammenfügende Ausformung deutet zudem darauf hin, dass es sich bei dem Kaffee Tee-Service darüberhinaus auch um einen Künstlerentwurf handelt. Die stilistische Schwere der Gefäßformen wird durch die langgezogenen, spitzwinkligen Handhaben gekonnt aufgehoben.

Konstruktive Besonderheiten
Hinsichtlich der Gebrauchsfähigkeit ist das hier vorliegende Service sehr ungewöhnlich: Um die Reinigung zu erleichtern, wurden die Handhaben aller Kannen abnehmbar gestaltet und auch die Deckel sind entnehmbar. Die Handhaben weisen eine durchgehende, v-förmige Längskerbung auf, die auf ein aufgelötetes Profil an den Rückseiten der Kannen von unten aufgeschoben wird. Ein orthogonaler Querstreifen aus Silber schließt die Griffe nach oben ab und arrettiert diese so. Ungewöhnlich – und ungleich aufwändiger in der Herstellung – ist auch, dass die Schnaupe nicht in einem Stück aus dem Vorderblech des Korpus gepresst wurde sondern separat geformt und aufgelötet. Eine weitere, technisch außergewöhnliche Lösung zeigt sich im Auslass der Flüssigkeit: Beim Ausgießen tritt diese unter den gefalzten Oberrand und gelangt so in die Schnaupe. Beim Absetzen fließt diese innenseitig die Schnaupe hinab und tritt im untersten Bereich innerhalb dieser knapp über dem Boden aus zwei Löchern wieder in den Korpus aus.
Des Weiteren wurde bei der Konzipierung der Griffe der schmale Oberbereich durch versteckte Dübel verstärkt und die Stirnseiten der Dübel durch Furniere kaschiert um so den optischen Gesamteindruck nicht zu stören. Dies ein Detail das ebenfalls für eine Einzelanfertigung spricht. Auch das Punzeninventar spricht dafür, dass das Service höchstwahrscheinlich nicht für den regulären Handel bestimmt sondern eine Auftragsarbeit war. Jeder Korpus ist zwar mit dem Mailänder Beschauamtszeichen in Kombination mit der Nummer des ausführenden Silberschmieds Giuseppe Silva und dem Feingehalt für 800er Silber gestempelt, die Deckel aber nicht. Eine Röntgenfluoreszenzanalyse‎ des Silbers aller Einzelteile ergab aber dass das Service original zusammengehört und gleichzeitig aus dem gleichen Material entstanden ist. Obwohl auch die Deckel in 800er Silber gearbeitet wurden, sind sie aber nicht punziert. Wenn das Service für den regulären Verkauf gedacht worden wäre, hätten auch die Deckel eine Punzierung aufweisen müssen.
Anbetrachts der stilistischen wie auch technischen Besonderheiten des hier vorliegenden Services ein Objekt von großer Seltenheit.